Futterpflanzen

Die Futterpflanzenzüchtung hat bei der Norddeutschen Pflanzenzucht eine lange Tradition. Seit 120 Jahren werden Futtergräser, wie etwa das Deutsche Weidelgras und die kleinkörnige Leguminose Rotklee züchterisch bearbeitet.

NPZ bearbeitet das Futterpflanzenzuchtprogramm DNF seit 1. August 2015 zusammen mit dem Kooperationspartner DSV u.a. am Standort Malchow. Schwerpunkte der Futterpflanzenkooperation liegen auf Seiten der NPZ bei der Züchtung von Deutschem Weidelgras (tetraploid) und Rotklee.

Eine lange Historie hat auch die Züchtung von Welschem Weidelgras, welches nun innerhalb der DNF-Kooperation von der DSV züchterisch bearbeitet. Das Welsche Weidelgras LEMA ist seit 1955 beim Bundessortenamt eingetragen und ist damit unsere älteste Sorte bei der NPZ.

Mit Beginn der Züchtungskooperation DNF wurden die Kulturarten Weißklee, Wiesenlieschgras und Wiesenschwingel in die Züchtungsarbeit der NPZ integriert.

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Weidelgraszuchtgarten

Deutsches Weidelgras

Die Züchtung von Deutschem Weidelgras ist ebenso wie die Rotkleezüchtung ein Bereich mit langer Tradition. Den Schwerpunkt der Züchtungsarbeit bildet die Selektion leistungsfähiger, persistenter Sorten in den Reifegruppen mittel und spät. In der Resistenzzüchtung steht die Selektion von schneeschimmel- und rosttoleranten Genotypen im Mittelpunkt.

Die Leistungsfähigkeit unserer Neuzüchtungen wird insbesondere durch den Trockenmasseertrag bestimmt. In 3 bis 4 facher Wiederholung werden Leistungsprüfungsparzellen ausgedrillt und praxisnah 4 bis 6 mal im Jahr mit einen Grünfuttervollernter geerntet. Neben dem Frischmassenertrag der Parzelle wird auch der Trockenmasseertrag erfasst. Da Deutsches Weidelgras auf Dauerweiden langjährig genutzt wird, werden auch unsere Leistungsprüfungsparzellen mindestens 3 Jahre gemäht. Am Vegetationsende werden die Daten aller Grünschnitte verrechnet und ausgewertet. Nur Prüfkandidaten, die über alle Schnitte und Jahre einen hohen Trockenmasseertrag und weitere gute Merkmale wie Resistenzen haben, werden weiter geprüft und ggf. beim Bundessortenamt oder einem anderen europäischen Sortenamt zur Prüfung angemeldet.

Rotkleezüchtung - eine lange und erfolgreiche Tradition

Hans Lembke erntete bereits um 1900 Saat­gut von guten Einzelpflanzen in Futterschlägen und verwendete dieses in Mischungen für Neusaaten auf dem elterlichen Betrieb. 1908 legte er erstmals Be­obachtungsparzellen von Einzelpflanzennachkom­menschaften an, um sie mit verschiedenen Sorten und Herkünften zu vergleichen. Der extrem harte und schneearme Winter 1911/12 legte die Grundlage für die erfolgreichen Züchtungsarbeiten von Hans Lemb­ke. Im Frühjahr 1912 grub er 50 vitale Pflanzen aus ei­nem fast völlig ausgewinterten Feldbestand aus und pflanzte diese zur weiteren Beobachtung und Samen­gewinnung in seinen Zuchtgarten. Das Saatgut der besten Pflanzen diente im nächsten Jahr für die Aus­saat einer Einzelpflanzenanlage und einer weiteren Mutterstammbaumzüchtung mit Individualauslese und Prüfung der Nachkommenschaften.

1915 wurde ‚Original Lembkes Rotklee‘ noch auf etwas anderer genetischer Grundlage zugelassen und 1923 in das DLG-Hochzuchtregister eingetragen.

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Blühender Rotklee

Nach dem 2. Weltkrieg erhielt ‚Lembkes Rotklee‘ und ab 1961 als Sorte MARINO in der DDR durch eine erfolgreiche Erhaltungszüchtung eine sehr große Marktbedeutung und wurde zu einem gefragten Ex­portschlager. Die Sorte stand bis zum Jahre 2000 in der Sortenliste und musste dann nach fast 40 Jahren erfolgreichem Anbau und Verkauf von der Liste ge­nommen werden, weil Saatguthändler den allgemein bekannten, guten Sortennamen für illegale Saatgutge­schäfte nutzten. In Westdeutschland lebte ‚Lembkes Rotklee‘ in der Sorte LERO weiter und verblieb hier bis 1982 auf der Sortenliste. Weitere diploide  Sorten wie PIRAT, DIPLOMAT, HARMONIE, KONTIKI, REGENT, LORELEY und SAPHIR wurden in die Sortenliste eingetragen.

Neue Impulse durch tetraploide Sorten

Die Rotkleezüchtung erhielt 1969 mit dem Beginn der Züchtung von tetraploiden Sorten neue Impulse. Tetra­ploide Formen haben aufgrund des doppelten Chro­mosomensatzes eine deutlich höhere Ertragsleistung und eine Verbesserung weiterer agronomisch wich­tiger Merkmale wie bessere Krankheitsresistenzen, bessere Winterhärte, höhere Trockentoleranz, stärke­re Konkurrenzkraft in Kleegrasgemengen und bessere Qualitätsmerkmale wie Verdaulichkeit, Protein- und Energiegehalt.

Bereits 1977 wurde die erste tetraploide Sorte MATRI zugelassen, die sich durch hohe Trockenmasseerträge, aber auch durch eine gute Vermehrbarkeit aus­zeichnete.

Neben der Ertrags- und Samenleistung sind auch Aus­dauer und Krankheitsresistenz sehr wichtige Merkma­le für Rotklee. Deswegen wurde 1976 in Malchow ein Infektionsfeld angelegt, um dort nach mehrjähriger Überwinterung Zuchtstämme mit einer höheren Re­sistenz gegenüber Kleekrebs und Wurzelkrankheiten zu selektieren. Mit der tetraploiden Sorte MANETA, die 1985 zugelassen wurde, konnten deutliche Zuchtfort­schritte hinsichtlich Krankheitsresistenz und Ausdau­er erreicht werden. Seitdem wurden diese Zuchtar­beiten planmäßig fortgesetzt und hieraus folgten die Zulassungen der Sorten MATERO, MARO, MARKUS, MARS, ATLANTIS und MAGELLAN.