Leguminosen-Saatgutvermehrung: Die wichtigsten Erfolgsfaktoren zum Erhalt der Keimfähigkeit

Qualitativ hochwertiges, zertifiziertes Saatgut ist die Basis für stabile Erträge – und damit für unsere Nahrungsmittelversorgung. Damit ausreichend Z-Saatgut zur Verfügung steht, arbeitet die Norddeutsche Pflanzenzucht eng mit erfahrenen Vermehrerorganisationen zusammen. Sie stellen sicher, dass ihre Vermehrungsbetriebe die hohen Qualitätsanforderungen in der Saatguterzeugung erfüllen. Unsere Fachleute unterstützen diesen Prozess mit umfassendem Know-how – von der Bestandesführung über das richtige Erntemanagement bis hin zur Aufbereitung -, damit hochwertiges Saatgut zur Verfügung steht, auf das sich Landwirtschaft und Wertschöpfungskette verlassen können.

In einem von der Saaten-Union und der Norddeutschen Pflanzenzucht organisierten Webinar für Vermehrungsorganisationen und ihre Vermehrungsbetriebe informierten Ende Februar die NPZ-Anbauberater Silke van het Loo und Carsten Lammers sowie der NPZ- Fertigungsleiter Steffen Kruse über die verschiedenen Aspekte der Qualitätssicherung bei Körnererbsen und Ackerbohnen, wobei es primär um die Sicherung der Keimfähigkeit für zertifiziertes Saatgut (Z-Saatgut) geht; hier liegt der Grenzwert bei >80% in der Anerkennungsprobe.

Die Qualität von Erbsen- und Ackerbohnensaatgut entsteht auf dem Feld – und dieser Qualitätsgedanke muss sich bis in die Aufbereitung hinein nahtlos fortsetzen. Ziel ist es, Aberkennungen wegen Minderkeimfähigkeiten zu vermeiden, denn ohne Anerkennung können diese Saatgutproduktionen nur als Futtermittel vermarktet werden.

Qualität fängt auf dem Feld an

Ein erster Erfolgsfaktor ist die Anbauplanung: Als geeignete Standorte kommen ebene, steinfreie und saubere Schläge in Frage. Ein hoher Unkrautdruck durch z.B. Disteln oder Ausfallraps erschwert die Ernte. Ebenso sollten flachgründige oder stark humose Böden vermieden werden. Für eine gute Bestandesetablierung sollte bei der Saatstärke nicht gespart werden: Die NPZ rät bei Erbsen zu mind. 80 keimfähigen (kf.) Samen pro m², bei Ackerbohnen zu mind. 40 kf. Samen/m². Vor der Saat gilt es, Stroh, Stoppel und Reste der Zwischenfrucht einzuarbeiten und die Bodenoberfläche einzuebnen.

Ziel: Ein ebenes Saatbett für eine sichere Schneidwerksführung bei der Ernte.

Eine exakte Saatgutablage ist der Grundstein für einen gleichmäßigen Aufgang und eine gleichmäßige Abreife.

Unkrautmanagement und Bestandesführung

Da kaum Vor- oder Nachauflaufherbizide verfügbar sind, ist die Bestandespflege entscheidend. Es gilt, die Verunkrautung in Schach zu halten, weil ansonsten die Ernte erschwert und verzögert wird. Ebenfalls zu einer guten Bestandesführung im Sinne der Saatgutqualität gehört ein sachgerechter Fungizid- und Insektizideinsatz. Die Brennfleckenkrankheit (Ascochyta) kann die Samen infizieren, was bei einem zu hohen Befund (ab 30%) zu einer Aberkennung führen kann. Kritische Schaderreger wie Blattläuse (die als Virusvektor vor der Blüte gefährlich werden können), Erbsenwickler, Ackerbohnen- und Erbsenkäfer sollten in Saatgutproduktionen gut beobachtet werden und Bekämpfungsrichtwerte und -hinweise des amtlichen Pflanzenschutzdienstes umgesetzt werden.

Speziell beim Erbsenwickler kann zur Flugüberwachung auf Pheromonfallen und für den optimalen Bekämpfungstermin auf das Prognosemodell CYDNIPRO zurückgegriffen werden. Ziel ist bei der Bekämpfung des Erbsenwicklers die Vermeidung von beschädigtem, verpilztem Erntegut mit hohe Reinigungsabgängen und schlechten Keimfähigkeiten.

Ackerbohnenschädling schwierig zu bekämpfen

Da der Ackerbohnenkäfer der wichtigste Schädling in der Saatgutwirtschaft ist, gilt es, ihn unbedingt in Schach zu halten. Wichtig zu wissen: Der Ackerbohnenkäfer ist kein Lagerschädling (Grenzwert bei der Anerkennung: 1 Lebendfund im Anerkennungsmuster). Er überwintert in Knicks und wandert ab Mai aus Hecken, Bäumen etc. in den Bestand. Seine Aktivität ist temperatur- und lichtabhängig; ab 20°C ist er besonders aktiv. Bekämpfungsstrategien aus England und Frankreich sehen einen günstigen Bekämpfungszeitraum des Ackerbohnenkäfers bei der Eiablage im Juni mit Pyrethroiden und hohen Wasseraufwandsmengen. Die Larven können nicht bekämpft werden, da sie sich geschützt durch die Eihülle direkt in die Hülse bohren. Dort fressen sie, wachsen und verpuppen sich. Der fertig verpuppte Käfer schlüpft schließlich aus dem Samen und hinterlässt das typische kreisrunde Verpuppungsloch. Ob der Loch- und Fraßschaden negative Auswirkungen auf die Keimfähigkeit hat, kommt zu einem Großteil auf die Lage des Lochs im Samen an.   

Der Ackerbohnenkäfer und die typisch runden Verpuppungslöcher.

         

Da die Bekämpfung des Ackerbohnenkäfers auf dem Feld so schwierig ist, geht die NPZ parallel züchterische Wege, um das Selektionsmerkmal Käfertoleranz einzukreuzen. Erste gute Fortschritte wurden schon gemacht. Die Toleranzzüchtung ist allerdings komplex, weshalb es noch ein paar Jahre dauern wird, bis den Landwirten tolerante Sorten zur Verfügung stehen.

Ernte gut – fast alles gut

Ziel der gesamten Bestandesführung ist es, einen störungsfreien Drusch zu ermöglichen. Zudem ist der optimale Erntezeitpunkt entscheidend. Anzeichen der Abreife sind vertrocknete abfallende Blätter und die Schwarzfärbung und Eintrocknung der Stängel und Hülsen von unten nach oben. Ein Bestand ist reif, wenn die Pflanzen zu über 90% ihre reifetypische Farbe angenommen haben und die Kornfeuchtigkeit bei 16% liegt.

Besonders bei der Erbse ist das optimale Druschfenster sehr klein; es gilt, die Witterung laufend zu beachten und nicht zu lange zu warten. Denn der optimale Erntezeitpunkt sichert nicht nur die Saatgutqualität (sprich die Keimfähigkeit), sondern auch den Ertrag.

Die optimale Kornfeuchte für den Drusch von reifen Ackerbohnen und Körnererbsen liegt bei 15-17%; 18-20% sind das Maximum. Bei Kornfeuchten von > 24% können Quetschungen an den Körnern auftreten; unterhalb von 15% können Beschädigungen durch Kornbruch und Risse auftreten. Deshalb der Tipp: Bei sehr hohen Temperaturen und niedrigen Kornfeuchten im Hochsommer macht es Sinn, in den Morgen- oder Abendstunden zu dreschen.

Für die Einstellung des Mähdreschers gelten die folgenden Grundsätze: Je trockener das Erntegut,

  • desto weiter der Korbabstand,
  • desto weniger Wind und
  • eine langsamere Trommeldrehzahl.

Während des Dreschens sollte das Erntegut regelmäßig auf die Erntefeuchtigkeit kontrolliert werden. Bei mechanischen Beschädigungen sind die Trommeldrehzahl, der Dreschkorb, die Überkehr, Förderschnecken und die Fallhöhen zu überprüfen. Denn Hülsenfrüchte wie Erbsen und Bohnen haben aufgrund der Verteilung des lebenden Gewebes im Samen kaum einen Schutz vor mechanischen Belastungen. Auch diese können sich negativ auf die Keimfähigkeit auswirken.

Li: Risse, Krankheiten - KF ~78 %. Re: homogener, glatt, kaum Schäden, KF > 93 %.

Lagerung & Aufbereitung

Gute Abreifebedingungen und ein schonender Drusch sorgen für eine hohe und stabile Keim- und Lagerfähigkeit. Daneben spielt die Kornfeuchte eine Rolle: Bei <18% ist eine Heruntertrocknung mit trockener Außenluft und eine kurzfristige Zwischenlagerung möglich. Bei >18% muss unverzüglich belüftet werden. Eine Warmlufttrocknung mit max. 40°C Eingangstemperatur bis auf die gewünschte Kornfeuchte von 14% ist dann notwendig.

Daneben sollten die Vermehrungslandwirte folgende Hinweise beachten:

  • Bei zu geringer Leistung der Belüftungsanlage verbleibt die Feuchtigkeit in den obersten Schichten der gelagerten Ware.
  • Auf Schütthöhen achten (2,5-5 m); je höher die Schütthöhe, desto geringer sollte die Feuchtigkeit sein.
  • Samen großkörniger Leguminosen verlagern die Feuchtigkeit nur langsam von innen nach außen. Daher sollte die Wärmequelle bei 15% Feuchtigkeit abgeschaltet werden.
  • Grundsätzlich ist stets vorsichtig zu trocknen und eine Umschichtung/Umwälzung (z.B. mittels Kornknecht) des Saatgutes im Lager einzuplanen.
  • Hohe Fallhöhen (> 2m) sind zu vermeiden.
  • Förderwege, die das Saatgut mechanisch beanspruchen, sollten ebenfalls vermieden werden.
  • Prallstellen ggf. auskleiden.

Fazit: Was Vermehrer zur Sicherung der Keimfähigkeit beachten müssen

  • Saubere Fläche + saubere Bestände
  • Richtige Saatstärke
  • Konsequentes Monitoring von Unkraut, Krankheiten und Insekten
  • Schlagbezogene Maßnahmen, v. a. gegen Erbsenwickler und Ackerbohnenkäfer
  • Schonender Drusch & sorgfältige Aufbereitung

So bleibt die Saatgutqualität, sprich die Keimfähigkeit, hoch, Aberkennungen werden minimiert – und die Vermarktung als Z-Saatgut ist gesichert.

Bei Fragen stehen Silke van het Loo und Carsten Lammers gerne zur Verfügung.

Silke van het Loo

Tel. +49 4351 736 - 316
E-Mail s.van-het-loo@npz.de

 

Carsten Lammers

Tel. +49 4351 736 - 177
E-Mail c.lammers@npz.de